Stolpersteinverlegung in Geilenkirchen: Erinnerung und Mahnung

Am 6. Oktober 2026 wurden in der Geilenkirchener Innenstadt zum siebten Mal Stolpersteine verlegt.
Als Mitglied der „Initiative erinnern“ beteiligen wir uns mit anderen Geilenkirchener Schulen seit 2013 daran, auf diese Weise an jüdisches Leben in der Stadt zu erinnern.
Schüler:innen der AH24 und AH25 (12. und 13. Klasse des Beruflichen Gymnasiums) hatten sich unter anderem im Religions- und Geschichtsunterricht mit den Biografien zweier jüdischer Familien auseinandergesetzt und Texte und Bilder für die Verlegungsorte vorbereitet. So konnten sie den über 250 Teilnehmenden berichten über die Schicksale der jüdischen Menschen.
Schülerinnen der AH24 berichten vom Schicksal der Familie Frenkel, rechts Bürgermeister Armin Leon
Familie Frenkel
Bei der ersten Stolpersteinverlegung vor 13 Jahren hatte unsere Schule die Patenschaft für die Steine der Familie Frenkel an der Konrad-Adenauer-Str. 142 übernommen.
Da sie bei Bauarbeiten beschädigt worden waren, wurden sie nun ausgetauscht.
Erinnert wird mit ihnen an Gabriel Hermann Frenkel, seine Frau Ida Frenkel sowie ihren Sohn Erwin.
Nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 zogen die Eltern zu Verwandten nach Köln – in der Hoffnung, dass sie dort sicher seien.
Wenige Zeit später wurden sie aber inhaftiert und ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie 1942 bzw. 1943 ermordet wurden.
Ihr Sohn Erwin war schon 1937 nach Amsterdam gezogen, wo er sich mit seiner Familie nach dem Überfall der deutschen Truppen im Mai 1940 versteckte. Auch er wurde verschleppt und verstarb 1942 in Auschwitz.
Adele Gottschalk
Einen ganz neuen Stein – den 98. Stein im Stadtgebiet – bekam Adele Gottschalk an der Konrad-Adenauer-Str. 240.
Sie floh nach dem 9. November 1938 zu ihrer Tochter Friede nach Utrecht. Dort verstarb sie mit 73 Jahren im Jahr 1940.
Ihr Stolperstein liegt nun neben dem ihrer Tochter Else, die 1939 nach Amsterdam flüchtete, von dort aber auch 1943 verschleppt und in Auschwitz umgebracht wurde – wie schon im Jahr zuvor ihre Schwester Friede.
“Wir leben ewig“
Zum Abschluss der Stolpersteinverlegung sangen Schüler:innen und Lehrerinnen unserer Schule gemeinsam das jiddische Lied “Mir lebn ejbig”. Es war 1943 im Ghetto von Wilna entstanden (heute Vilnius in Litauen), um den jüdischen Menschen dort Mut zu machen. Seine Botschaft: Selbst wenn die Welt brennt und die Feinde uns zusetzen, wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. “Wir wollen leben und erleben, schlechte Zeiten überleben. Wir leben ewig, wir sind noch da.“
Schüler:innen der AH25 stellen die Biografie von Adele Gottschalk vor und singen zum Abschluss „Mir lebn ejbig“
Gedenken und Warnung
Die Steine für die Familien Gottschalk und die Familie Frenkel wie auch viele andere Stolpersteine sind genau dafür ein Zeichen: Sie sind trotz allem noch da.
Für viele von uns liegen sie auf dem Schulweg: Familie Frenkel am Marktplatz, Familie Gottschalk gegenüber vom Amtsgericht. Sie erinnern daran, dass in den Häusern, vor denen sie verlegt wurden, jüdische Familien gelebt haben, zum Teil seit vielen Generationen.
Sie sollen uns aber auch als Mahnung davor dienen, wozu Antisemitismus und Rassismus führen können – und warum es so wichtig ist, dass wir uns für Demokratie, Toleranz und Respekt einsetzen.
Bürgermeister Dr. Armin Leon forderte in seiner Rede bei der Stolpersteinverlegung dazu auf, entschieden zu widersprechen, wenn die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Würde anderer in Gefahr seien.
Denn: „Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit haben in Geilenkirchen keinen Platz.”
Ausblick
Wir sind auch weiter aktiv mit dabei, zum Beispiel beim traditionellen Lichtergang zum 9. November.
Er beginnt mit einem Gedenkgottesdienst um 18 Uhr in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt am Geilenkirchener Marktplatz und setzt sich an verschiedenen Stolpersteinen und dem Synagogenplatz fort, bevor er vor dem jüdischen Friedhof endet.
Am 27. Januar 2027 sind wir gastgebende Schule für die zentrale Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz.